Was bedeutet Alter?

Keine Angst: Ich habe nicht vor, eine gerontologische Abhandlung zu schreiben! Nur ein paar Beispiele und Gedanken zum Thema „Altwerden“, von dem Joachim Fuchsberger in seinem Buch behauptet, es sei „nichts für Feiglinge“.

Meine Mutter meinte, sie habe zum ersten Mal mit Ende Fünfzig realisiert, dass sie sich nicht mehr in der Blüte ihrer Jahre befand, als ein gutaussehender Mann ihr auf der Strasse entgegenkam und sie anstrahlte. Geschmeichelt strahlte sie zurück – nur um festzustellen, dass seine Augen knapp an ihrem Kopf vorbei, auf eine Person hinter ihr gerichtet waren. Die Frau war zwanzig Jahre jünger als meine Mutter…

Der Vater meiner Freundin war immerhin bereits Anfang achtzig, als ihn die Wucht des Altwerdens traf: Er, der unermüdliche Sportler, musste feststellen, dass er bei einem Langlauf-Camp (alle Teilnehmenden waren im Minimum 15 Jahre jünger) zu den Langsameren gehörte. Auch der liebevolle Spott seiner Familie konnte ihn nicht aus tagelangem Brüten erlösen.

Ein Sprichwort sagt: „Man ist so alt, wie man sich fühlt“. Mein spottdrosselnder Grossvater wandelte den Satz ab zu „Man ist so alt, wie man sich an-fühlt“. Sicher ist, ob mann sich einen Porsche kauft oder frau einen Minirock trägt – der Tatsache der Endlichkeit und des langsamen Nachlassens werden wir nicht entrinnen. Ist das nun zwingend negativ?

Mal ehrlich: Ich möchte nicht unsterblich sein und bei der Nachricht der ältesten Frau der Erde, die gerade 116 Jahre alt wurde, hat es mich vor Entsetzen geschaudert. Klar bin ich neugierig und möchte wissen, wie alles weitergeht. Aber mal abgesehen vom rein physisch „knackigen Alter“ – ab einem bestimmten Alter hat man das Gefühl, dass sich die Welt so schnell verändert, dass man sich nicht mehr heimisch fühlt in ihr. Nein, liebe Uhus, das liegt nicht nur an der aktuellen schnelllebigen Zeit. Das war immer so. Sogar Sokrates beklagte sich um 400 v. Chr. über die böse junge Generation und ihre Untugenden. Dabei war er Philosoph und hätte es eigentlich besser wissen müssen.

Die Welt wird nicht schlechter. Sie wird nur anders. Auf Dauer aber können wir uns nicht mehr auf noch mehr „anders“ einstellen. Auf Dauer wird uns das dann auch egal. Auch der Konkurrenzgedanke lässt nach. Es stimmt, dass man im Alter für andere unsichtbar wird. Aber fröhliche Uhus werden immer wahrgenommen.

Lasst uns fröhlich sein!

 

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